Wie Sie im neuen Jahr mehr Erfüllung erfahren – oder New Year’s resolution reloaded

Der Start im neuen Jahr ist eine ideale Möglichkeit, die persönliche Ausrichtung zu klären, einen alten Zopf abzuschneiden oder Wichtiges in den Vordergrund zu stellen. Der Neujahrsvorsatz mag zwar den schalen Beigeschmack haben, dass hehre Ziele vom harten Alltag in Kürze verzehrt werden und wir einmal mehr von Unvorhergesehenem überrollt werden.  Wenn wir uns am Begriff «Vorsatz» stören, können wir von Jahresziel oder von Jahresthema sprechen. Und wenn wir uns dazu wissenschaftliche Fakten zu Hilfe nehmen, haben wir viele Möglichkeiten mehr Erfüllung zu erfahren. In diesem Artikel beschreibe ich fünf Zutaten, welche zum Erfolg führen.

Die Schwelle zum neuen Jahr bildet einen natürlichen Übergang: Wir lassen das vergangene Jahr hinter uns und wechseln die Jahreszahl auf 2022. Damit stehen 365 frische, unverbrauchte Tage oder zwölf neue, einzigartige Monate vor uns. Sollten wir diesen Neubeginn nicht bewusst nutzen? Ist dies nicht eine kostbare Möglichkeit die Richtung in unserem Leben, in unserer Führung und in unserer pandemiegeschüttelten Gesellschaft positiv zu beeinflussen? Natürlich können Sie dem entgegnen, dass wir dazu keinen Neujahrsanfang brauchen, sondern dass wir dies übers Jahr genau so gut machen können. Stimmt. Führungskräfte, welche sich dazu z.B. eine Auszeit gönnen oder eine Standortbestimmung durchlaufen und das eigene Tun und Lassen reflektieren und einen konkreten Entwicklungsplan verfassen, nehmen das Zepter in die Hand und prägen ihr Tun gezielt. Für alle anderen jedoch, die sich immer mal wieder im unbewussten Modus des Autopiloten finden, bildet der Jahresübergang eine perfekte Chance zur Neukalibrierung des eigenen Verhaltens.

Neujahrvorsatz – Jahresthema – Jahresmotto

Landläufig kommt an dieser Stelle der Neujahresvorsatz ins Spiel. Viele von uns haben jedoch ihre liebe Mühe mit dem Thema. Ein schaler Nachgeschmack kommt hoch: Wir machen uns wichtige Vorsätze, um sie nach nur wenigen Tagen wieder zu beerdigen. Denn das Vorhaben war zu gross, die Motivation zu klein, die alten Gewohnheiten zu stark…

Fünf Zutaten für den Erfolg

Im Folgenden zeige ich -wissenschafts- und erfahrungsbasiert – auf, wie ein persönliches Jahresziel erfolgreich erreicht wird. Oder anders ausgedrückt, wie Sie ein Jahresthema oder einen Vorsatz erfolgreich umsetzen. Dazu dienen uns die folgenden fünf Zutaten:

1. Grosse Bedeutung: Erst wenn wir wirklich für ein Thema brennen, wenn es für uns wirklich von Bedeutung ist, bringen wir die Motivation auf, die es für das Vorhaben einer Veränderung braucht. Das persönliche Anliegen ist mit unseren eigenen Werten und unseren ureigenen Überzeugungen verbunden. Diese werteorientieren Vorhaben unterscheiden sich wesentlich von ergebnisorientieren Vorhaben. Das Problem beim Fokus auf das Resultat ist, dass wir nur unsere Ratio – ein Bruchteil unseres ganzen Potenzials – verwenden. Wenn wir jedoch auch unsere Emotionen und unser tieferliegendes Bewusstsein miteinbeziehen, erzeugen wir eine viel grössere Wirkung. Dr. Maya Storch, Leiterin des Instituts für Selbstmanagement und Motivation Zürich, spricht in diesem Zusammenhang von Mottozielen. Statt auf das Ergebnis (Was?) zu fokussieren, sollten wir uns auf den Sinn (Wozu?) ausrichten. Hier einige Beispiele:

Ergebnisorientiere Vorhaben Werteorientierte Vorhaben
Ich nehme mir mehr Zeit für die Familie.Ich verkörpere ein Leben in Balance.
Ich gehe wöchentlich zweimal Joggen.Ich bin ein sportlicher Typ.
Ich ärgere mich weniger.Ich bin ein gelassener Leader.
Ergebnisorientiere Vorhaben
Ich nehme mir mehr Zeit für die Familie.
Ich gehe wöchentlich zweimal Joggen.
Ich ärgere mich weniger.
Werteorientierte Vorhaben
Ich verkörpere ein Leben in Balance.
Ich bin ein sportlicher Typ.
Ich bin ein gelassener Leader.

2. Sichtbar & erfahrbar im Alltag: Der Sozialpsychologe Bas Verplanken sagt, dass unser Leben zu 30 bis 50% durch Gewohnheiten geprägt Das ist enorm hilfreich, denn wir müssen nicht mehr überlegen und benötigen keinen Aufwand beim Einschalten des Laptops, bei der Wahl des Arbeitsweges oder beim Putzen der Zähne. Der grosse Nachteil ist jedoch, wenn wir belastende Gewohnheiten wie Dinge aufschieben, Konflikten aus dem Weg gehen, Gefühle unterdrücken etc. entwickelt haben. Deshalb kann der Neujahrsvorsatz durch die Macht alter Gewohnheiten in kürzester Zeit übersteuert werden. Deshalb ist es eminent wichtig, dass wir unser Thema oder unseren Vorsatz im Alltag sichtbar machen. Post-It’s an neuralgischen Ort wie Spiegel, Armaturenbrett, PC, Pinnwand etc. kleben, wirkt unterstützend. Regelmässige Reminder oder Zeitblocker im Outlook aufsetzen: Hier empfiehlt es sich im geschäftlichen Kontext – wo andere Teilnehmer Einblick haben – geschickt vorzugehen: Falls das Verständnis im Hochleistungskontext für kurze Regeneration und Kreativzeiten fehlt, könnte ein Zeitblocker statt «Kreativzeit» oder «Meditation» «Strategiezeit» heissen. Um über den Tag einzelne Erinnerungen zu setzen, mag auch das App Habit Tracker dienen. Wer lieber mit einem Buch arbeitet: Dominik Specht hat ein echt starkes Tagebuch dazu entwickelt, das 6 Minuten Tagebuch.

3. So einfach wie möglich: James Clear hat in seinem New York Times Bestseller Atomic Habits aufgezeigt, dass wir eine Gewohnheit dann erfolgreich ändern, wenn wir sie mit ultrakleinen Schritten angehen. Die Erfolgsformel heisst deshalb: Wir geben uns ein starkes, attraktives Ziel und gehen die Umsetzung mit atomar kleinen Schritten an. Angenommen wir wollen unsere Fitness stärken und das Motto «sportlicher Typ» leben, dann heisst die Devise mit einer Liegestütze pro Tag zu starten, nicht mit deren zwanzig. Die Hemmschwelle, dieses Vorhaben zu unterlassen sollte so tief sein, dass es fast peinlich ist, wenn wir es nicht tun. Angenommen es fällt Ihnen schwer, sich abzugrenzen, werden Sie im privaten, vertrauten Rahmen und bei kleinen Anfragen sich im «Nein-Sagen» üben. Sind wir einmal vertraut mit der neuen Routine, können wir sie weiter ausbauen – zwei – zehn – zwanzig Liegestützen. Es geht darum, dass wir potenzielle Hindernisse minimieren: Fürs Joggen z.B. die Joggingschuhe bereitstellen, für gesunde Ernährung einen Mixer anschaffen etc.

4. Belohnung: Was gibt es Schöneres, als ein Ziel zu erreichen und einen klaren Erfolg verbuchen zu können? Unser Gehirn schüttet in Folge den Botenstoff Dopamin aus – was uns auf natürliche Weise ein Glücksgefühl Deshalb sollten wir uns auf dem Weg zum Jahresmotto immer mal wieder unsere Fortschritte vor Augen führen. Wenn wir – auch bei kleinen Fortschritten – uns eine kleine Belohnung gönnen, stärken wir unsere Motivation. Dazu einige Anregungen: Wenn Sie eine Lieblings-TV-Serie haben und Sie sich die neue Folge erst gönnen, wenn Sie Ihr Fitness-Soll erreicht haben, wirkt dies anspornend. Wenn wir am Ende eines Quartals unsere gewünschten Umsetzungsziele erreicht haben, gönnen wir uns ein Kino-, Theater- oder Opernaufenthalt und beglücken mit unserer Einladung auch unsere Liebsten. James Clear erklärt den Mechanismus folgendermassen: Was unmittelbar belohnt wird, wird wiederholt. Was unmittelbar bestraft wird, wird vermieden. Selbstbestrafung mag in diesem Zusammenhang masochistisch klingen. Doch wenn wir uns z.B. dazu verpflichten, jedes Mal, wenn wir unserer Verpflichtung nicht nachgekommen sind, einen Betrag an eine gemeinnützige Organisation spenden, kommen wir an einen schmerzhaften Punkt, der uns wieder auf den Pfad der Tugend bringt. Doch auch Belohnung beginnt bei kleinen Dingen – eine Tasse erlesener Tee, ein Moment an unserem Lieblingsort verweilen, Inspiration aus einem guten Podcast oder einen Genuss-Moment der Kunst, Poesie oder eines Thrillers. Unserer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

5. Externe Unterstützung: Unabhängig vom eigenen Thema oder der zu entwickelnden Kompetenz lernen wir immer von jenen, die auf der Lernkurve weiter sind oder gar schon Meisterschaft erworben haben. Foren, Newsrooms oder Plattformen mit Experten bieten uns eine Fülle an Know-How und Inspiration unseren eigenen Ansatz zu verbessern. Wenn es um Persönlichkeitsentwicklung oder um Führungsqualitäten geht, ist ein individualisiertes Leadeship Coaching, in welchem Sie den Spiegel vorbehalten bekommen und griffige Umsetzungsschritte einüben, goldwert. Und wenn wir unseren Partner sowie einen vertrauensvollen Arbeitskollegen über unser Vorhaben informieren, legen wir nicht nur uns selbst, sondern auch anderen Rechenschaft über unsere Fortschritte Dies erhöht die Verpflichtung gegenüber unserem Vorhaben. Mit unseren Sparringspartnern können wir bereits im Vorfeld vereinbaren, welche Form der Unterstützung wir benötigen, wenn wir vom Weg abgekommen sind.

Das grosse Ganze im Blick halten sowie eine grosszügige Haltung

Und zum Schluss: Die fünf eben beschriebenen Zutaten sind eine Anleitung für schmackhafte erfolgreiche Vorhaben. Lassen wir es uns nicht verderben, wenn wir einen Rückschlag erleben oder wenn wir in alte Gewohnheiten zurückfallen. Wir fahren genau dort weiter, wo wir die Abweichung realisiert haben. Eine grosszügige, verzeihende Haltung uns selbst gegenüber finde ich wichtig. Währenddessen wir das grosse Bild, respektive unser Jahresmotto im Blick halten und uns diszipliniert ausrichten, pflegen wir auf dem Weg dahin einen sorgsamen Umgang mit uns selbst. Ich wünsche uns dazu viel Energie, Mut für Unkonventionelles, Durchhaltevermögen und schliesslich Freude beim Feiern des kommenden Jahresrückblicks.

Gewohnheiten, Neujahrvorsatz

Trans-In AG – Leadership zum Wesentlichen

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